Depression: „Pandemie hat Situation verschärft“

 

Dr. Gerhard Miksch, Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin der Sozialen Dienste Burgenland, sprach über das Thema „Depression“ in der „Radio Burgenland Sprechstunde“ am 7. Dezember 2023 mit ORF-Moderatorin Nicole Aigner. &am

Rund 730.000 Menschen in Österreich leben zurzeit mit einer Depression. Dr. Gerhard Miksch erklärt: „Die Akzeptanz in der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren sicher verbessert und es wird offener damit umgegangen. Aber es bleibt oft nach wie vor ein Tabuthema, auch wenn beispielsweise Burn-out das Thema gesellschaftsfähiger gemacht hat.“

Anzeichen und Symptome einer Depression

Gedrückte Stimmung und Traurigkeit gehören zu den bekanntesten Symptomen einer Depression. „Es gibt aber noch andere Zeichen, typische Anzeichen sind etwa Schlafstörungen und da vor allem Durchschlafstörungen. Auch wenn man in der Früh nicht aufstehen kann und nicht in die Gänge kommt sowie Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsstörungen können Anzeichen sein“, so der Chefärztliche Leiter des Psychosozialen Dienstes im Südburgenland. Depressionen können sich auch durch körperliche Beschwerden äußern, wie etwa Oberbauchbeschwerden oder Kreuzschmerzen. Dadurch sei eine Diagnose oft schwierig. „Die Betroffenen kommen mit Angstzuständen oder Schlafstörungen und da muss man dann erst einmal genauer nachfragen, wie die Stimmung ist“, so Dr. Gerhard Miksch.

Ursachen

Die Ursachen für Depressionen seien vielfältig. „Wie viele Krankheiten haben Depressionen auch eine genetische Komponente. Dazu kommen exogene Ursachen wie Überarbeitung, wenig Freizeit und traumatisierende Erlebnisse“, erklärt Dr. Gerhard Miksch. Statistisch gesehen hätten Frauen ein wesentlich höheres Risiko an einer Depression zu erkranken. „Ungefähr 20 Prozent der Frauen werden in ihrem Leben irgendwann depressiv, bei Männern sind es nur fünf Prozent. Das liegt aber auch daran, dass die Symptomatik bei Männern anders ist. Sie sind eher aggressiv und gereizter, deshalb wird es nicht als Depression erkannt oder sie bekämpfen ihre unguten Zustände mit Alkohol und landen so in einer Abhängigkeit“, so der Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin.

Depressionen erkennen

Es sei sehr unterschiedlich, wie und wann die Depression wahrgenommen wird. „Manche Menschen merken es relativ schnell, andere verdrängen es so lange, bis sie wirklich am Boden zerstört sind. Schlafstörungen treten meist früher auf, werden aber bis zum Eintreten anderer Beschwerden wie etwa Appetitlosigkeit ignoriert“, so Dr. Gerhard Miksch. Oft werde aber keine Depression diagnostiziert, sondern nur die Symptome behandelt. Meist seien die Angehörigen die ersten, die eine Depression bei den Betroffenen erkennen. „Oft bemerken der Partner oder die Partnerin Veränderungen in der Stimmung. Die erste Anlaufstelle ist dann der Hausarzt. Dieser sollte dann bei den genannten Symptomen nachfragen und erkennen, ob es eine depressive Erkrankung sein kann“, erklärt Dr. Gerhard Miksch.

Behandlung und Umgang

Nachdem Depression eine Erkrankung sei, würde Medikamente helfen. „Antidepressiva sind moderne Medikamente, die dazu führen, dass die Stimmung und der Antrieb besser werden. Zusätzlich sollte man zu einer Psychotherapie gehen, um Ursachen für die Depression erforschen zu können und Änderungen im Lebensstil zu ermöglichen“, so der Dr. Gerhard Miksch. Im Umgang mit Menschen mit Depressionen seien Sätze wie „Reiß dich zusammen“ sehr kontraproduktiv. „Solche Sätze sind das beste Mittel, um eine Depression weiter anzuheizen. Angehörige sollten eher mit den Betroffenen sorgsam umgehen, etwa mit ihnen spazieren gehen, um sie aus ihrem Grübeln und Rückzug herauszuholen“, erläutert Dr. Gerhard Miksch.

Pandemie verschärft Situation

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und Zukunftsängste haben die Situation rund um depressive Erkrankungen verschärft. „Suizidale Gedanken und Handlungen haben zugenommen, die Pandemie hat zu einer sozialen Isolation geführt. Das betrifft die Jugendlichen noch mehr als Erwachsene. Die Nachrichten sollte man sich nicht anschauen, wenn man unter einer Depression leidet“, so Dr. Gerhard Miksch. Oft käme der Ratschlag von Angehörigen, man solle sich doch eine Auszeit nehmen. „Jede Behandlung einer Depression braucht lange Zeit. Bei einer Depression braucht man oft mehrere Monate, bis man wieder einsatzfähig ist“, erklärt der Facharzt.

Suizidgedanken bei chronischen Depressionen

Bei chronischen Depressionen verlieren Betroffene oft die Hoffnung, dass ihnen geholfen werden kann, was zu Suizidgedanken führen kann. „Suizidankündigungen sind meist nicht offensichtlich. Die Personen sagen etwa, dass ihnen alles zu viel ist oder dass sie nicht mehr weiterwissen. Wenn jemand etwa beginnt, seine Dinge zu verschenken, sollte man das ernst nehmen. Man sollte die Betroffenen darauf ansprechen, meist sind sie erleichtert, dass sie darüber sprechen können“, so Dr. Gerhard Miksch.

Anlaufstellen und Selbsthilfe

Erste Anlaufstelle seien Hausärzte und die Standorte der Sozialen Dienste Burgenland, die es in jedem Bezirksvorort gibt. „Hier bekommt man auch kurzfristig einen Termin bekommt, besonders wenn es Suizidgedanken hat. Als letzte Anlaufstelle gibt es auch noch die psychiatrische Abteilung im Krankenhaus in Eisenstadt. Die meisten Depressionen kann man aber ambulant behandeln“, so Dr. Gerhard Miksch. In den letzten Jahren sei der Begriff „Resilienz“ in Mode gekommen. „Resilienz heißt, dass ich auf mich selber achte und Dinge mache, die mir selber guttun. Menschen mit Depressionen müssen lernen, auf sich selbst zu achten und sich Gutes zu tun“, so Dr. Gerhard Miksch abschließend.     

Vorbeugungsmaßnahmen im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit