Die Hälfte vom Kuchen: Frauenhaus Burgenland zum Weltfrauentag

Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Burgenland weisen auf strukturelle Probleme hin

EISENSTADT, 6. MÄRZ 2026: Seit über einem Jahrhundert wird am 8. März der Internationale Frauentag begangen. Er dient dazu, weltweit auf Frauenrechte, Geschlechtergerechtigkeit, Lohngleichheit und den Kampf gegen Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen. Unter dem Motto „Wir FRAUEN VERDIENEN die Hälfte vom Kuchen!“ machten die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Burgenland im Rahmen einer Aktion in der Eisenstädter Fußgängerzone auf die Situation von Frauen aufmerksam.

„Wenn Frauen weniger verdienen, weniger Vermögen aufbauen können und im Alter häufiger armutsgefährdet sind, dann ist das kein individuelles Scheitern. Es ist ein strukturelles Problem. Wenn Führungspositionen überwiegend männlich besetzt sind, wenn Care-Arbeit selbstverständlich weiblich gedacht wird, dann ist das kein Zufall, sondern ein System. Wir fordern nicht mehr als unseren Anteil. Aber wir fordern ihn konsequent“, so Kerstin Bedenik, Sozialarbeiterin und fachliche Leitung im Frauenhaus Burgenland.

Julia Renner, Sozialpädagogin im Frauenhaus Burgenland, ergänzt: „Wer behauptet, Gleichberechtigung sei längst erreicht, verwechselt Fortschritt mit Zielerreichung. Solange Frauen strukturell benachteiligt sind, bleibt ‚die Hälfte vom Kuchen‘ eine Forderung – und eine Erinnerung daran, dass Gleichheit nicht gewährt, sondern umgesetzt werden muss. Wir wollen keinen Applaus für das Backen - wir wollen unseren Anteil!“

Finanzielle Abhängigkeiten erschweren Neustart

Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Burgenland betonen abschließend: „Die Hälfte vom Kuchen bedeutet für uns faire und existenzsichernde Bezahlung, echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wirksamen Schutz vor Gewalt, gleichberechtigte politische und wirtschaftliche Mitgestaltung sowie gesellschaftliche Anerkennung und eine gerechte Verteilung von Care-Arbeit. Gleichberechtigung ist kein Frauenthema, sondern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. So lange Macht, Geld und Chancen nicht fair verteilt sind, bleibt unsere Forderung aufrecht. Gerade für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder ist ein selbstbestimmtes Leben oft kaum leistbar. Finanzielle Abhängigkeit erschwert die Trennung und verhindert einen sicheren Neuanfang. Wer Gleichstellung ernst meint, muss deshalb auch für ökonomische Sicherheit sorgen.“

Frauenhaus als Zufluchtsort

Das Frauenhaus bietet von häuslicher Gewalt oder einer sozialen Notlage betroffenen Frauen kostenlos und anonym Schutz, Betreuung und Unterkunft. „Noch immer sind Frauen in unserer Gesellschaft von Gewalt betroffen und auf Schutz sowie Unterstützung angewiesen. Diesen Frauen möchten wir im Frauenhaus Sicherheit bieten und gemeinsam neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben eröffnen“, so Dr. Johannes Zsifkovits, Geschäftsführer der Sozialen Dienste Burgenland (SDB). Das Frauenhaus Burgenland wurde 2021 in die SDB eingegliedert um eine langfristige finanzielle Absicherung dieser wichtigen Institution zu garantieren.

Im vergangenen Jahr 2025 wurden insgesamt 25 Frauen mit 23 Kindern im Frauenhaus Burgenland betreut. Hinzu kommen über 110 Nachbetreuungskontakte und rund 170 telefonische Beratungen.

Für betroffene Frauen gibt es die Möglichkeit, das Frauenhaus unter folgenden Kontaktdaten zu erreichen:

05 09 44 4000 (0-24 Uhr)

frauenhaus@soziale-dienste-burgenland.at