Soziale Dienste Burgenland
Hilfe nah am Menschen
EISENSTADT, 10. MÄRZ 2026: Wenn eine Suchterkrankung in einer Familie auftritt, betrifft das nicht nur die erkrankte Person selbst – besonders Kinder leiden oft still mit. Sie übernehmen Verantwortung, machen sich Sorgen und stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Genau hier setzt das neue Projekt „Trampolin“ der Fachstelle Suchtprävention der Sozialen Dienste Burgenland (SDB) an. Landesrätin Daniela Winkler über das Programm: „Wenn Eltern an einer Suchterkrankung leiden, kann das für die Kinder eine besonders große Belastung sein, noch dazu, wenn sie nicht darüber sprechen können. Mit dem Projekt ‚Trampolin‘ schaffen wir im Burgenland einen geschützten Raum, in dem Kinder Unterstützung, Verständnis und Stärkung erfahren. Damit geben wir diesen jungen Menschen frühzeitig Halt und fördern ihre Resilienz, damit sie trotz schwieriger familiärer Situationen eine positive Entwicklung erfahren können.“
Johannes Zsifkovits, Geschäftsführer der SDB, zum Projekt: „Kinder aus suchtbelasteten Familien brauchen besondere Aufmerksamkeit. Mit ‚Trampolin‘ schaffen wir einen geschützten Raum, der stärkt, entlastet und Perspektiven eröffnet.“
Geschützter Raum für Kinder
„Trampolin“ ist ein Gruppenprogramm für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren, die in Familien mit einer Abhängigkeitserkrankung aufwachsen. Ziel ist es, den jungen Teilnehmer:innen einen sicheren Ort zu bieten – zum Reden (wenn sie möchten), zum Spielen, zum Durchatmen und vor allem zum Kind-Sein.
In insgesamt neun wöchentlichen Gruppentreffen erleben die Kinder altersgerecht und spielerisch:
• dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind
• was eine Suchterkrankung bedeutet
• dass sie keine Schuld an der familiären Situation tragen
•wie sie mit belastenden Situationen besser umgehen können
Dabei werden Selbstbewusstsein, Problemlösungsstrategien und soziale Kompetenzen gezielt gestärkt. Zwei begleitende Elternmodule vor Beginn und nach Abschluss des Programms unterstützen zusätzlich den Erfolg. Projektleiterin Verena Fischbach erklärt: „Ich freue mich sehr, dass es mit ‚Trampolin‘ ein gezieltes Unterstützungsangebot für Kinder aus suchtbelasteten Familien gibt. Wir wissen, dass diese Kinder ein erhöhtes Risiko haben, später selbst psychische Probleme oder eine Abhängigkeit zu entwickeln. Umso wichtiger ist es, sie frühzeitig zu stärken. Gleichzeitig wissen wir: Auch Eltern mit einer Suchterkrankung möchten verantwortungsvoll und liebevoll für ihre Kinder da sein. Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Stärke und Verantwortungsbewusstsein.“
Kostenfrei und vertraulich
Die Teilnahme am Programm ist für Familien kostenlos, das Projekt wird vom Land Burgenland finanziert. Begleitet wird „Trampolin“ von erfahrenen Fachkräften, die besonderen Wert auf Vertraulichkeit, Respekt und Wertschätzung legen. Das Angebot richtet sich an Eltern und Erziehungsberechtigte, die ihren Kindern auch in schwierigen Zeiten bestmögliche Unterstützung bieten möchten. Eine Suchterkrankung kann jede Familie treffen. Das Projekt Trampolin wurde gemeinsam vom Deutschen Zentrum für Suchtanfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf und dem Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) an der Katholischen Hochschule NRW, entwickelt und auf seine Wirksamkeit überprüft.
Angebote der Sozialen Dienste Burgenland
Die Sozialen Dienste im Burgenland übernehmen vielfältige Beratungs-, Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Suchtmittelkonsum:
• Der Psychosoziale Dienst Burgenland bietet in allen Bezirksvororten Behandlungs- und Beratungszentren für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen und deren Angehörige an.
• Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Ambulanz zur Beratung, Abklärung, Diagnostik und Behandlung Jugendlicher mit substanzbedingten und nicht stoffgebundenen Süchten.
• Suchtprävention: Die Fachstelle Suchtprävention Burgenland entwickelt und implementiert präventive Maßnahmen, um Suchtverhalten vorzubeugen. Die Entstehung einer Abhängigkeit ist ein langfristiger Prozess und von mehreren Faktoren abhängig. Nachhaltige Maßnahmen sind nötig, die gut geplant und kontinuierlich umgesetzt werden sollten. Deshalb wendet sich die Suchtprävention mit ihren Angeboten in erster Linie an Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen leben oder arbeiten, um sie als Multiplikator:innen in der Suchtprävention zu befähigen. Dabei werden fachliche Beratungen für Mutliplikator:innen zur Umsetzung von Projekten in schulischen und außerschulischen Arbeitsfeldern angeboten. Zudem werden zur Unterstützung Workshops mit Jugendlichen durchgeführt.